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aktuell 19. Juli 2018
An den Tankstellen wird E10-Benzin verkauft und auch Diesel enthält pflanzlichen Kraftstoff. Deshalb spricht alle Welt von Biosprit. Doch weil für den Verbraucher bio = naturverträglich ist, verwenden Rettet den Regenwald und andere Umweltorganisationen den Begriff Agrosprit. Denn mit der „grünen Energie" vom Acker lässt sich keineswegs „biologisch" Auto fahren. Hier lesen Sie, warum. Was ist Agrosprit? Der Begriff steht für flüssige Kraftstoffe aus vor allem pflanz-lichen, manchmal auch tierischen Rohstoffen (Schlachtabfälle). Agrosprit treibt in Deutschland überwiegend Verbrennungs-motoren von Kraftfahrzeugen an. Besonders ausgerüstete Motoren können mit reinem Agrosprit laufen, in der Regel wird dieser aber dem herkömmlichen fossilen Mineralöl beigemischt. Der Agrarkraftstoffanteil betrug 2011 etwa 3,7 Mio. Tonnen bzw. 5,6 Prozent — bezogen auf den Energiegehalt. Raps, Ölpalmen, Soja und Sonnenblumen sind die wichtigsten pflanzlichen Rohstoffe für Agrardiesel. Deren Früchte und Samen werden ausgepresst und die gewonnenen Pflanzenöle in Raffinerien industriell zu Kraftstoff verarbeitet. Für Benzin wie E10 kommen Gerste, Mais, Weizen, Zuckerrübe oder Zuckerrohr als Grundstoff in Frage. Diese zucker- und stärkehaltigen Pflanzen werden vergoren und destilliert. Der so gewonnene Alkohol dient der Ethanolproduktion. Welche Probleme verursacht Agrosprit? Hunger Tank statt Teller. Diese Entwicklung beschäftigt und besorgt Ernährungsexperten, Menschenrechtler und Naturschützer, seitdem es Agrosprit gibt. Denn immer mehr Ackerflächen und Lebensmittel dienen der Produktion von Pflanzentreibstoff. Ein Beispiel: In den USA geht schon jetzt die Hälfte der Maisernte in die Ethanolproduk-tion — mit fatalen Folgen für den Nachbarn Mexiko. Das Land ist in hohem Maß von den Mais-Importen aus den USA abhängig — Mais-Tortillas sind für Mexikaner das wichtigste Grund-nahrungsmittel. Da nur noch die Hälfte der Maisernte für die Ernährung zur Verfügung steht, steigen die Preise. Immer mehr Menschen protestieren gegen die für sie uner-schwinglichen Nahrungsmittelpreise — nicht nur in Mexiko. Weltweit hungern rund eine Milliarde Menschen, damit bleibt jedem siebten Erdbewohner das Recht auf Nahrung verwehrt. Übrigens: 26 Personen können sich ein Jahr lang mit derselben Menge Getreide ernähren, wie umgerechnet ein einziger mit Ethanol angetriebener Oberklassewagen in diesem Zeitraum verbraucht. Wasserverbrauch Bis zu 3.500 Liter Wasser (je nach Anbauregion) sind laut International Water Management Institute notwendig, um einen Liter Biodiesel herzustellen — es fließt hauptsächlich in die Bewässerung der Monokulturen und in die Verarbeitung der Rohstoffe zu Kraftstoff. Die Wasserversorgung ist schon heute eines der großen Probleme der Menschheit: Noch immer haben 783 Millionen Menschen keinen Zugang zu einer sauberen Quelle, so die UNO im März 2012. Außerdem: Industrielle Monokulturen brauchen Dünger und Pestizide. Der Regen spült den Chemiecocktail in die Flüsse und ins Meer. Der Abbau dieser Substanzen zehrt dort den Sauerstoff auf. Ohne Sauerstoff können Krebse, Muscheln und Fische nicht leben. Schon jetzt breiten sich zum Beispiel im Golf von Mexiko und in der Ostsee riesige biologisch tote Zonen aus.
Landraub und Regenwaldrodung Pflanzen sind als Energiequelle uneffektiv. Sie setzen nur ein Prozent der aufgefangenen Sonnenenergie in Biomasse um, die wir energetisch nutzen können. Wird daraus Agrardiesel hergestellt, sinkt der Anteil auf weniger als ein Promille. Deshalb werden riesige Landflächen benötigt, um nennenswerte Mengen an Agrosprit zu erzeugen. Zum Vergleich: Moderne Solarpanele verwandeln bereits 25 Prozent der Sonneneinstrahlung in elektrische Energie. Menschen und Natur müssen für die Monokulturen weichen. Vor allem Kleinbauern verlieren oft ihr Land an die Agrospritindustrie. Plantagen mit Ölpalmen, Soja und Zuckerrohr fressen sich weiter in die Tropenwälder Asiens, Südamerikas und Afrikas hinein. Nicht nur Tiere und Pflanzen sind durch diese Entwicklung bedroht; auch die indigene Bevölkerung, die seit Jahrtausenden vom und mit dem Wald lebt, wird vertrieben und verliert ihre Lebensgrundlage. Schont Agrosprit das Klima? Der Anbau der Pflanzen kostet viel fossile Energie — zur Bestellung der Felder, für Ernte, Transport, Lagerung und für die Verarbeitung der Pflanzenöle zu Diesel oder Ethanol. Den ausgebrachten Düngemitteln entströmen große Mengen Lachgas (N20), ein fast 300-fach wirksameres Treibhausgas als CO2. Außerdem setzt die Rodung der Vegetation extrem viel Kohlen-stoff frei, das als Kohlendioxid die Erdatmosphäre schädigt. Die am Boden liegende Vegetation wird mit Bulldozern zusam-mengeschoben und oft auch abgefackelt (Brandrodung). Die sich zersetzenden Pflanzen, die Feuer und die nackten Böden entlassen große Mengen CO2. So gehört Indonesien z.B. durch Regenwaldrodungen für Palmölplantagen zu den weltweit größten CO2-Verursachern. Auch die Studien, die die EU-Kommission selbst in Auftrag gegeben hat, kommen zu dem Ergebnis: Agrosprit aus Palm-, Raps- oder Sojaöl ist für das Klima schädlicher als fossiles Erdöl. So produziert Pflanzenenergie zum Beispiel mehr CO2 als fossiler Brennstoff (83,8 g CO2 pro Megajoule Energie): Palmöl 105 g, Sojaöl 103 g, Raps 95 g. Was kann ich selbst tun? Das Infoblatt kopieren und an Freunde und Bekannte weitergeben, Diskussionen zum Thema Agrokraftstoff anregen oder organisieren, die Öffentlichkeit über die Probleme informieren, an Politiker und Firmen schreiben: Fordern Sie, dass die Gesetze zur Beimischungspflicht von Agrarkraftstoffen sofort gestrichen und keine Subventionen und Steuervergünstigungen für Agrosprit vergeben werden. Beteiligen Sie sich an den Protestaktionen von Rettet den Regenwald: www.regenwald.org. Nehmen Sie das Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel, nutzen Sie die Car-Sharing-Angebote, fahren Sie spritarme Autos. Warum gibt es Agrosprit? Im Verkehrsbereich dreht sich alles ums Erdöl. Die Kraftfahrzeuge in Deutschland verbrennen fast ein Drittel der bei uns verbrauchten Energie. Weltweit rechnet man mit einer Milliarde Autos — Tendenz steigend. Kein Wunder, dass die Erdölvorräte abnehmen und ihr Abbau immer teurer wird. Die Ölpreise stehen heute auf Rekordniveau. Versiegende Erdölquellen sind ein Argument für die in Deutsch-land und Europa bestehende Beimischungspflicht von Agrosprit. Als Zweites wird die Hoffnung angeführt, mit Agrosprit das Weltklima zu entlasten. Denn die Verbrennung von Erdöl setzt gewaltige Mengen an Schadstoffen und Treibhausgasen frei. Und schließlich schaffen Anbau und Verarbeitung von Pflanzenkraft- stoffen Einkommensquellen in Landwirtschaft und Industrie. Wer entscheidet über Agrosprit? Bundesregierung und Europäische Union (EU) fördern mit Gesetzen und Subventionen in Milliardenhöhe die Produktion der Pflanzenenergie für Benzin und Diesel. Die von der EU beschlossene Beimischungspflicht ist im Laufe der letzten Jahre kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2020 soll der Anteil von Agrosprit im Kraftstoff zehn Prozent betragen (2012: mind. 6,25 Prozent). Damit haben die Politiker einen Agrosprit-Boom ausgelöst — und machten viele Landwirte zu „Energiewirten". Schon auf 15 Prozent der Ackerflächen Deutschlands gedeihen Agrosprit- Pflanzen. Hauptprofiteure der Agrospritpolitik sind allerdings einige wenige internationale Getreide- und Pflanzen-ölkonzerne wie ADM, Bunge, Cargill und Wilmar International.
Tötliches Palmöl
an Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel
Der politische Irrweg E10 & Biodiesel